Path, meine iOS App des Jahres

Ich möchte euch mal wieder eine iOS App vorstellen. Der eine oder andere hat vielleicht schon davon gehört. Es ist die App mit dem Namen Path. Path wurde schon an vielen Stellen gelobt. Unter anderem für ihr innovatives Interface. Für die Verlaufsdarstellung, auch Timeline genannt. Auch für ihre neuartige Menüdarstellung haben sie Lob verdient und erhalten.

Einführung

Für alle diejeniegen, die Path nicht kennen, kommt jetzt eine kurze Einführung. Path ist ein mikro-soziales Netzwerk. Ihr sucht euch eure Freunde aus, maximal allerdings 150. Denen ‚folgt‘ ihr dann in der App. Das bedeutet, dass ihr in eurem Verlauf/eurer Timeline deren Einträge seht. Einträge können sehr unterschiedlich sein. Es besteht die Möglichkeit kurze oder längere Texte zu schreiben, also eure Gedanken zu äußern. Ihr könnt Photos oder auch Videos (maximal 30 Sekunden lang) aufnehmen. Besonders bei den Photos gern genutzt ist die Möglichkeit unterschiedliche Filter anzuwenden. Dadurch erscheinen die Photos häufig noch interessanter, manchmal sogar unabhängig vom Motiv. ;-)
Weiterhin kann man an Orten, die man besucht, einchecken. Ähnlich also zu Foursquare oder Gowalla. Allerdings mit einem Unterschied, auf den ich gleich noch zu sprechen komme.
Musik und Menschen sind die nächsten beiden Möglichkeiten, die genutzt werden können. Musik heißt dabei, dass die App euren aktuell spielenden Musiktitel (sofern vorhanden) erkennt und einträgt. Ihr könnt allerdings auch einfach selbst eingeben, welchen Titel ihr hört. Praktisch für diejeniegen, die ihre Musik nicht auf dem iPhone genießen, sondern z.B. über einen iPod.
Menschen lässt euch direkt eintragen, mit wem ihr gerade den Moment verbringt.
Der letzte Punkt des Menüs bietet die Option zu zeigen, dass ihr schlafen geht, oder dass ihr aufsteht. Scheint im ersten Moment etwas merkwürdig, ergibt im Kontext der App jedoch zumindest einen gewissen Sinn—und hat durchaus ihren Reiz.

Das alles wird durch ein sehr ansehnliches Äußeres zusammen gehalten und bereit zumindest mir immer wieder Freude beim Anschauen. Dadurch allein macht mir die App bereits Freude.

Nutzung

Nachdem ihr nun alle Punkte kennt, mit denen ihr einen Eintrag in eurer Timeline machen könnt: vergesst das alles wieder. Denn vermutlich wird es euch so gehen wie mir. Ihr nutzt eigentlich immer Kombinationen aus den angebotenen Optionen. Ihr könnt nämlich auch, wenn ihr einfach einen Texteintrag machen möchtet, angeben mit wem ihr euch wo befindet. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Und da ihr bei der Angabe der Personen nicht auf eure Freunde oder euer Adressbuch beschränkt seid, bieten sich interessante Möglichkeiten. Meine Freunde und ich nutzen diese Angabe durchaus gern einmal, um eine Stimmung anzugeben, oder Unsinn zu treiben. Nicht selten bringen mich diese Angaben zum Schmunzeln. Und das macht einfach Spaß.

Persönlich

Was mich selbst bei Path so anspricht, ist das, was wir draus gemacht haben. Dadurch, dass ich Path nur mit 3 Leuten aktiv teile, ensteht eine sehr intime Atmosphäre. Ich muss nicht lange zögern und abwägen, ob ich etwas schreiben könnte. Es besteht nicht die Gefahr, wie zum Beispiel bei Facebook, falsche Privatsphäre Einstellungen zu machen. Kein Bild oder Gedanke kann an die falschen Leute geraten. Das entspannt die Nutzung ungemein. Dadurch ist Path für mich mittlerweile zu einer Art Tagebuch geworden. Ich halte meinen Alltag darin fest. Auf entspannte und v.a. spontane Art und Weise. Ich habe es nie vermocht Tagebuch zu schreiben. Ich habe nicht die Ausdauer mich am Abend hinzusetzen und den Tag zu reflektieren. Jedes Mal, wenn ich das versucht habe, saß ich Abends da und konnte nur schwerlich den Tag zusammenfassen. Viele Details kamen mir abhanden. An Stimmungen konnte ich mich nur ungenau erinnern. Aber meistens vergaß ich sowieso, dass ich etwas schreiben wollte. So ist das Unternehmen Tagebuch für mich eigentlich immer schon ein Reinfall gewesen. Die Spontanietät, die Path ermöglicht, lässt mich jedoch viel besser damit umgehen. Ich habe jetzt, zum Zeitpunkt dieses Eintrags, 2 Monate Path benutzt und 270 Momente (Einträge) erstellt. Das zeigt, die Dichte und, ich möchte sagen, Vollständigkeit. Sowas bietet mir kein Tagebuch. Also zumindest mir nicht. :-)

Aber es bleibt natürlich nicht bei meinen monologischen Einträgen. Nahezu jeder Eintrag veranlasst meine drei lieben Freunde ihren Senf dazu abzugeben. Eine davon ist die Traumfrau, das macht die Sache noch besser. So entstehen zu den Gefühlen, Gedanken und kurzen Einträgen manchmal recht intensive, spannende Diskussionen und Gedankenaustäusche. Obwohl wir uns teilweise tagelang nicht sehen, entsteht das Gefühl der Nähe und Vertrautheit. Ich sehe, was meine Freunde machen. Ich sehe, wie sie sich dabei fühlen, was sie denken. Ich sehe was sie stört. Ich kann sie durch einen netten Smiley aufmuntern oder sie bekräftigen, wenn sie zweifeln. Wir können uns gegenseitig Freude bringen und emotionale Nähe spenden. Das ist einfach nur großartig. Und meine Freunde sehen es genauso, und empfinden es genauso. Das macht einfach Spaß.

Das ist auch genau der Grund, warum ich ganz genau überlegen werde, mit wem ich dieses Erlebnis noch teilen möchte. Sicherlich würden mir da noch ein bis zwei Personen einfallen, die Path für mich noch mehr bereichern würden. Allerdings ist es gerade in diesem Moment ein solcher Genuss und eine solche Bereicherung des Alltags, dass es auch einfach so bleiben kann.

Risiko

Nachteile sehe ich leider trotzdem. Path ist kostenlos. Es gibt keine Werbung. Das mag euch jetzt überraschen. „Das ist doch super. Warum beschwerst du dich?“ mögt ihr Fragen. Tja. Ich frage mich, wie Path Geld verdienen soll. Wie werden die Kosten für die gesamte Infrastruktur aufgebracht? Sicherlich entweder durch Privatinvestitionen der Path-Macher, oder durch Venturekapital. Und beides ist gefährlich. In beiden Fällen heißt das, dass Path irgendwann anfangen muss Geld/Gewinn abzuwerfen. Sonst ist es schnell vorbei damit. Und das macht mir Sorge. Ich habe um Weihnachten 2011 rum die Path-Leute angeschrieben und um eine Möglichkeit gebeten meine Daten abspeichern zu können. Quasi eine Sicherheitskopie anfertigen zu können. Dadurch, dass ich die letzten zwei Monate Path mehrfach täglich genutzt habe, sind mir diese Momente wichtig. Und deshalb hätte ich diese gerne bei mir.

Als Programmierer habe ich natürlich auch gewisse Vorstellungen, wie ich die Daten erhalten möchte. Das will ich jetzt hier gar nicht weiter ausführen. Aber es wäre natürlich klasse, wenn ich die von mir produzierten Inhalte und Daten nehmen könnte, und damit etwas neues machen. Sie auf einer privaten Website anzeigen. Auf einer Seite, deren Kosten ich bezahle, bei der ich sicherstellen kann, dass sie bestehen bleibt. Oder sie herunter laden und ausdrucken. :D Letztendlich ist es egal, was man damit macht. Ich würde mir sehr wünschen, dass ich sie erhalte. Und dass ich sicher gehen kann, dass Path nicht in den nächsten Monaten oder Jahren eingestellt wird.

Fazit

Letztendlich sind diese Risiken nicht unwichtig. Trotzdem ist Path für mich die iOS App, die mich am allermeisten beigeistert hat. Seitdem es iOS Apps gibt. Sicherlich finden sich Spiele auf meinem Telefon, die ich begeistert spiele. Die Freude bringen und mich fantastisch unterhalten. Es gibt jedoch kein anderes Programm, was meinen Alltag so bereichert wie Path.

Top of Page