Warum ich nicht mehr Lotto spiele

Warum ich nicht mehr Lotto spiele? Ich beantworte dies in einem längeren Beitrag. Danke für deine Aufmerksamkeit, sofern du ihn liest.

Stellen wir uns den fiktiven Dialog zwischen uns beiden vor, in welchem du die Frage stellst: „Warum spielst du eigentlich kein Lotto mehr?“.

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich zuerst die Frage beantworten: „Warum spielst du überhaupt Lotto, oder warum hast du eigentlich gespielt?“

Ich habe Lotto gespielt aus dem gleichen Grund, welcher viele Menschen dazu treibt Lotto zu spielen. Ich wollte den Jackpot knacken. So einfach, so banal. Auch hier ist die eigentlich spannende Frage—die Frage die sich eigentlich jeder stellt, wenn er den Schein abgegeben hat—was würde ich mit dem Millionengewinn eigentlich machen wollen? Na klar, die üblichen, schnellen Antworten kamen da auch bei mir: Auto (mit vorgeschaltetem Führerschein—hab ich nämlich nicht), schönes großes Penthouse, Karibikurlaub etc. Aber das sind ja nur Momentaufnahmen. Und _eigentlich_, ja eigentlich bin ich glücklich und zufrieden in meinem (Privat)Leben. Ich habe eine wundervolle Partnerin, wir haben uns unser gemeinsames Leben und unseren Alltag herrlich eingerichtet. Sicherlich können wir keine großen Sprünge machen, und der Karibikurlaub ist jahreweit entfernt. Aber dort wo es wichtig ist—im Alltag—bin ich glücklich und zufrieden. Der Rest ist ja eigentlich nur ein Entkommen und Weglaufen, ein Ablenken vom Alltag, mit zuviel Geld und zu vielen Möglichkeiten. Aber ich denke, wenn das Unglück oder die Unzufriedenheit im täglichen Leben soo groß ist, dass dann auch ein Entkommen nicht hilft. Zumindest nicht dauerhaft.

Nach den vorschnellen Gedankensprüngen zum Auto, der Reise etc. stand jedoch auch die Frage, was eigentlich danach wäre. Man hätte ja Unmengen an Geld und entsprechend auch Zeit und Möglichkeiten. Ich könnte mich verwirklichen. Und da kommt da die wirklich schwierige Frage: „Was will ich denn eigentlich?“.

Da musste ich in mich hinein hören. Die Frage hat mich tatsächlich die letzten Monate beschäftigt. Ich befinde mich in den Endzügen meines Studiums, die Bachelorthesis steht bald an—und damit die erste feste Entscheidung, in welche Richtung ich mein Berufsleben weiter steuern möchte.

Denn Eines steht mit Sicherheit fest: Auch bei einem Lottogewinn würde ich nicht aufhören zu arbeiten, zu schaffen, zu machen. Dazu zieht es mich. Ich habe (schon nahezu immer) zahlreiche Nebentätigkeiten laufen, Interessen denen ich nachgehe und denen ich viel Zeit widme. Mein Kopf hört gar nicht auf nachzudenken, zu grübeln. Häufig wache ich nachts auf (dank der Katze) und habe Probleme wieder einzuschlafen. Aus dem simplen Grund, dass ich—kaum dass ich halbwegs wach bin—anfange über Fragen und Probleme nachzudenken, die mich am Tage schon beschäftigt haben. Das sind Problemstellungen aus dem Bereich Programmierung, Dinge aus dem Büroalltag, Erlebnisse aus der Tätigkeit als Trainer usw. Irgendwas fällt mir immer ein.

Deshalb würde ich mit einem Millionengewinn im Endeffekt versuchen, einen Job/eine Tätigkeit auszuführen die mich glücklich macht. Und zwar auch im Berufsleben.

Eine Sache, in der ich kreativ sein kann. Eine Sache, in der ich nachdenken muss, den Kopf anstrengen, über Problemstellungen grübeln, verzweifeln—und am Ende die Freude verspüren, das Problem zu lösen. Ich möchte morgens zum Büro laufen/oder fahren und mich auf die Arbeit freuen. Spannende soziale Kontakte durch die Arbeit finden und pflegen. Mich mit anderen über die Arbeit austauschen, auf einer hohen fachlichen Ebene, gern international. Zusammen, im Dialog, Probleme diskutieren und lösen. Neue Konzepte lernen. Überhaupt, die Möglichkeit, oder sogar die Notwendigkeit, haben mich permanent weiterzubilden. Ich liebe es, mich durch neue unbekannte Sachen zu wühlen und zu brüten. Genauso möchte ich aber auch zu Konferenzen fahren und interessanten Vorträgen lauschen—und vielleicht selbst einmal welche halten dürfen zu spannenden Themen.

Und dann fiel es mir auf. Ihr seid vielleicht beim Lesen von allein darauf gekommen. Ich schreibe es trotzdem einmal hier hin. All das kann ich erreichen. Und zwar ohne einen Lottogewinn. Ich bin jetzt in der Phase, in welcher ich mich dorthin bewege. Ich habe alle Fäden selbst in der Hand, ich kann es aus eigener Kraft dorthin schaffen. Durch die Hebel, die ich jetzt in Bewegung setze(n kann).

Sicherlich habe ich jetzt kein Auto und keine Reise, aber ich habe ja bereits geschrieben: Ich bin (privat) glücklich. Jetzt wird es an der Zeit, dass ich auf beruflich glücklich werde.

Und die Problemstellung ist wieder ein weiteres Dilemma, welches ich lösen kann. Also fange ich mit genau dem, was ich so gern machen möchte, einfach mal dort an. Und im Endeffekt werde ich dort landen, wo ich sein möchte. Ob das dann in eine Selbstständigkeit mündet (aus welcher ich ja rein technisch gesehen gerade komme) oder in einer angestellten Tätigkeit ist vorerst nebensächlich. Die Inhalte zählen. Und ich weiß jetzt, wo ich in 10 Jahren stehen möchte. Diese Erkenntnis kann man sich mit Geld nicht kaufen. ;-)

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