Posted 9 months ago
∞ “Und, wie war das damals bei dir?”
mit Lukas Heinser
Der von mir sehr geschätzte Lukas Heinser vom Coffee & TV Blog nutzte die Gelegenheit sich ebenfalls an seine Jugend und die Beginne die Anfänge seiner Interneterlebnisse zu erinnern. Los geht’s:
Wie und wann war denn dein erster Kontakt?
Im April 1996 war ich bei meinem Onkel in San Francisco. In der Bay Area hatten die wahrscheinlich damals schon DSL, da wird so was ja immer als erstes getestet. Jedenfalls hab ich mir da im Internet (was damals hieß: bei Yahoo!) Disneyland angeguckt, weil wir da hinwollten, und ich habe Timon-und-Pumbaa-Malvorlagen ausgedruckt. Was man halt so macht, wenn man als 12-Jähriger mit der medialen Zukunft konfrontiert wird.
Und was hast du danach gemacht? Wie ging es weiter?
Zunächst habe ich das Internet bei Verwandten oder Bekannten genutzt. Dort habe ich dann gechattet und mir Bildschirmschoner heruntergeladen (irgendwo auf der Festplatte muss noch ein sehr schöner “Mars Attacks”-Screensaver liegen).
Im August 1998, im Zuge der ganz, ganz großen AOL-CD-Offensive, konnte ich dann meine Eltern dazu überreden, uns auch einen Internetanschluss zuzulegen. Damals ist man erst nach 18 Uhr online gegangen, weil es da günstiger war, aber gekostet hat’s natürlich immer noch - im ersten Monat war die Rechnung 50 D-Mark höher als sonst. (Alles an diesem Satz klingt so unfassbar antiquiert, dass man kaum glauben kann, dass er die Lebenswirklichkeit vor 11 Jahren beschreibt.)
Faszinierenderweise musste ich bis zum Jahr 2002 mit einem 56k-Modem ins Internet, weswegen sich die Zahl meiner Downloads in Grenzen hielt. Ich hab aber damals schon ins Internet geschrieben (ich war schwer in Newsgroups aktiv und hab eigene Filmkritiken auf meine Lycos-Seite gepackt), währenddessen war aber natürlich unser Telefonanschluss besetzt. 2002 kamen sehr schnell hintereinander ISDN und DSL, aber da war das Internet ja eigentlich schon lange langweilig geworden.
Wofür nutzt du das Internet heute, außer pr0n/WoW?
Ich lebe und arbeite quasi im Internet: Über Facebook und ICQ stehe ich mit meinen Freunden in Kontakt, für BILDblog und Coffee And TV recherchiere ich viel im Internet (auf das Telefon kann man trotzdem nicht verzichten) und schreibe den ganzen Kram dann ja auch noch im Internet auf. Außerdem schaue ich im Internet fern (thedailyshow.com), höre dort Radio (npr.org) und lese da Zeitung (nytimes.com, guardian.co.uk, rp-online.de). Sogar meine Musik kaufe ich oft im Internet (Amazon & iTunes).
Trotz allem gehe ich regelmäßig vor die Tür und treffe mich mit Menschen, denen ich vors Schienbein treten kann, wenn sie mal etwas Dummes sagen. Das ist viel befriedigender, als sich in Blogkommentaren und Webforen zu beleidigen.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Internet sowohl von seinen Kritikern, als auch von seinen Fans maßlos überschätzt wird, aber das führe ich vielleicht mal lieber aus, wenn man mir auch vor’s Schienbein treten kann.
Notes