Warum geht es mir so gut?
In Telefonaten mit meiner Mutter, Gesprächen mit Freunden, Kollegen oder generell Menschen wird mir häufig die Frage gestellt, wie es mir ginge. Reflexartig antworte ich dabei mit “Danke, gut. Und selbst?”. Der Andere antwortet dann meist ebenso mit einem “Danke, auch gut.”.
So viel – so nichts sagend.
Ich habe dann mal angefangen wirklich darüber nachzudenken, wie es mir geht. Und tatsächlich kann ich sagen, es geht mir gut. Ich bin zufrieden, aber trotzdem hungrig. Hungrig nach mehr. Mehr von Allem. Ich bin dankbar, versuche aber trotzdem noch weiter zu kommen. Weiterkommen in beruflicher Sicht, im Privaten die nächsten gemeinsam geplanten Schritte erreichen. Ich bin in einer glücklichen Beziehung, habe Freunde auf die ich mich Tag und Nacht verlassen kann, bin gesundheitlich größtenteils fit und fühle mich ausgeglichen und froh.
Warum geht es mir so gut, wenn doch einige Dinge offensichtlich im Argen liegen? Was liegt denn im Argen? Nun ja, finanziell könnte es mir besser gehen, Selbstständige und Freiberufler sollten eigentlich im Durchschnitt knapp drei Monatseinkommen im Sparstrumpf haben, um für Eventualitäten gerüstet zu sein. Davon bin ich verdammt weit weg. Aber ich schaff es monatlich genug zu verdienen um meine Rechnungen bezahlen zu können und was zwischen den Zähnen zu haben – meist sogar richtig leckere Dinge. Außerdem bin ich mit meinen 27 Lenzen immer noch am Studieren. Aber das Ende ist in Sicht, 2011 hab ich es endlich vorerst hinter mir (wenn ich nicht direkt den Master dran hänge…).
Warum geht es mir also so gut? Ich erfreu mich an den so genannten kleinen Dingen. Ich freu mich über den Herbst, der die Bäume vom Laub befreit, durchatmen lässt, und mir somit mehr Licht im Zimmer beschert, da der Baum dies nun nicht mehr abhält. Die Blätter liegen jetzt also dämlich in der Stadt rum und behindern mich. Man kann leicht ausrutschen, weil alles so glitschig ist. Wirklich nervig. Wirklich nervig? Nö! Endlich kann man im Prenzlauer Berg durch die Straßen gehen, und muss sich kaum noch Sorgen machen, wo man hintritt. Die Blätter liegen über dem Hundekot wie ein kleines Schutzschild für die Schuhe.
Die Sonne, wenn sie scheint, taucht die Stadt in ein komplett anderes Licht, als es der Sommer je tun kann. Find ich ganz wunderbar.
Man kann wieder die dicken Winterpullis aus dem Schrank holen und den schönen Wintermantel anziehen. Meine Winterstiefel sind herrlich gefüttert und halten warm. Meine Oma hat mir öfter den Spruch erzählt, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung gibt. So isset.
Warum geht es mir also so gut? Bin ich einfach ein dämlicher Optimist? Keine Ahnung, vielleicht trifft es das ganz gut. Ein Pessimist zu sein ist aber auch viel einfacher. Meckern und sich über Alles beschweren und nicht einen Funken Freude zu verspüren und zu versprühen ist selbstverständlich einfacher. Aber macht es auch genauso viel Spaß?
Also, wenn Ihr meinen wirren Gedanken bis hierhin folgen konntet: Danke erstmal. :)
Freut euch an den Dingen die ihr habt, sucht die Möglichkeiten in den Problemen und freut euch über kleine Schritte, die vielleicht helfen können das Problem zu lösen. Denn meckern und verzweifeln kann jeder – aber Ihr könnt was Besseres: Euch freuen und die Freude teilen und andere Menschen anstecken.