Twitter will neue inoffizielle Twitter Apps verbieten

Bei Twitter kehrt keine Ruhe ein. Nachdem sie die offizielle Twitter für iPhone App mit einer QuickBar1 „ergänzt“ haben, und dann zurück gerudert sind, wurde nun eine offizielle Mitteilung herausgegeben. In dieser Mitteilung weist Twitter darauf hin, dass weitere „3rd Party Clients“ (also Twitter Apps/Clients2 die nicht von Twitter selbst stammen) verboten werden, die die gleiche Funktionalität bereit stellen wie Twitter für iPhone/Mac/Blackberry/wasauchimmer. Damit verbieten sie also genau das, was Twitter so erfolgreich und weit verbreitet gemacht hat.

Twitterific war der Anfang

Der erste Twitter Client für iPhone und Mac war Twitterific von der Iconfactory. Die offizielle Twitter App für iPhone und Mac stammte von einem unabhängigen Entwickler (Loren Bichter). Dieser wurde letztendlich von Twitter aufgekauft und angestellt. Sie haben dann seine entwickelte Software genutzt und zur offiziellen Software erklärt.

Innovation durch Variation

Es gibt mittlerweile wirklich eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Twitter Clients. Aber fast jeder — oder jeder, der sich durchsetzen konnte — brachte eine kleinere Innovation mit3.

Die Twitter App von Loren Bichter (genauer Tweetie 2, so hieß sie damals) erfand das „Herunterziehen zum Nachladen“. Das folgende Video demonstriert das, springt zur Sekunde 22, dann seht ihr was ich meine. Es wird zwar nicht bei Twitter demonstriert, aber das Prinzip ist das Gleiche.

Letztendlich ist diese Vielzahl von Clients eine willkommene Sache, da sich so jede die Lösung suchen konnte, die ihr gefiel. Das soll nun weg fallen. Ich finde das auf jeden Fall sehr traurig.

Wie kann Twitter denn andere Apps verbieten?

Twitter kann andere Apps verbieten, indem sie ihnen den Zugang zur Twitter-Plattform versperrt. Twitter ist ein Dienst, der auf den Servern läuft, die Twitter gemietet hat und betreibt. Dort laufen die Protokolle und der Programmcode. Wenn ein inoffizieller Client nun eine Anfrage sendet (z.B. um die neuesten Tweets zu erhalten), dann kommt diese Anfrage bei den Twitter-Servern an. Diese verarbeiten diese Anfrage und schicken eine Antwort an den Client. Diese Antwort enthält die angeforderten Tweets, und der Client kann sie darstellen. Das ist natürlich nur ein (vereinfachtes) Beispiel. Im Endeffekt läuft die gesamte Kommunikation von Twitter Clients jedoch so ab (über so genannte Webservices). Und diese Webservices werden von Twitter bereit gestellt, und jeder Programmierer der sie nutzen will muss sein Programm bei Twitter registrieren. Wenn sie also bestimmte Clients verbieten möchten, können sie denen einfach die Kommunikation mit den Twitter Servern verbieten. Dann ist der Entwickler nicht in der Lage eine funktionierende App vorzuweisen. Und genau das werden sie machen.

Twitters Drang nach Profit

Warum sperren sie sich also vor neuen, inoffiziellen, Apps? Vermutlich, da sie versuchen wollen alle Benutzer dazu zu bringen, die offiziellen Apps zu benutzen. Zum einen da dort Werbung eingeblendet werden kann. Und zum anderen um sämtlichen Benutzern eine einheitliche Oberfläche zu bieten, mit hohem Wiedererkennungswert. …ja, ich weiß. Das zweite Argument ist Blödsinn. Kommt so allerdings direkt von Twitter:

With more people joining Twitter and accessing the service in multiple ways, a consistent user experience is more crucial than ever. As we talked about last April, this was our motivation for buying Tweetie and developing our own official iPhone app. It is the reason why we have developed official apps for the Mac, iPad, Android and Windows Phone, and worked with RIM on their Twitter for Blackberry app. As a result, the top five ways that people access Twitter are official Twitter apps. […]
Twitter is a network, and its network effects are driven by users seeing and contributing to the network’s conversations. We need to ensure users can interact with Twitter the same way everywhere.
Quelle: Google Groups API Announcement

Wo geht es hin?

Es ist natürlich schwer zu sagen, wo es hin gehen wird. Wenn man sich allerdings in der Twittersphäre umschaut, merkt man, wie schnell sich die Nutzer von den offiziellen Clients verabschieden (möchten). Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es viele Alternativen. Zumindest für mich gibt es keinen dringenden Grund bei den offiziellen Angeboten zu verbleiben. Ich unterstütze lieber die unabhängigen, kleinen Entwickler. Genau die, die Twitter jetzt außen vor lassen möchte.

Twitter ist niemandem etwas schuldig. Sie können als Unternehmen machen, was sie möchten. Sie sind lediglich ihren Investoren etwas schuldig — und sie sollten die Entscheidungen treffen, die am besten für ihr Business sind. So ist nunmal die Wirtschaft. Gefallen muss mir das allerdings trotzdem nicht.

Ich lese einige Blogs von Entwicklern, Programmierern und anderen schlauen Leuten. Die Überlegungen beginnen, eine offene, dezentrale Alternative zu Twitter zu entwickeln. Eine Alternative, die dem World Wide Web entspricht. Auf viele Server verteilt, ohne großen Schalter, ohne Geschäftsinteressen eines einzelnen Unternehmens.

Meine Konsequenz

Ich wechsle zwischen verschiedenen Clients hin und her. Die offiziellen (sowohl iPhone als auch Mac) vermeide ich jedoch. Warum? Weil ich zeigen möchte, dass wir nicht von diesen Clients abhängig sind. Die Twitter Gemeinde ist größtenteils ziemlich eingeschworen, und leicht mobilisierbar. Schauen wir mal wo es hingehen wird. Anbei eine kleine, unvollständige Liste von Alternativen:


  1. Auch DickBar genannt, siehe Daring Fireball
  2. Ich nutze Client und App hier synonym und recht frei. Ich hoffe, ihr wisst was gemeint ist.
  3. Sie mussten Innovation bringen, sonst wären sie nicht interessant genug gewesen, und kaum jemand hätte sie genutzt.

Notes

  1. von jazzgumpy gepostet
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