Photografische Erinnerung, die Wertschätzung des Moments
Dave Pell schreibt in einem Beitrag auf seinem Blog über das Phänomen, alles was passiert mit einem Photo oder einem Video festhalten zu müssen.
For his third birthday, my son had a surf-themed party at a way too cold beach in San Francisco. I’m sure he had created a self-image of how he looked in his rash-guard and shades as he balanced on a freshly waxed, beach-bound longboard. Like most parents, I felt compelled to go paparazzi on my son and his friends from the second we unloaded the car. And because he is a child of the digital age, my son followed nearly every snap of the camera with the same request: “Can I see the picture?”
An seinem dritten Geburtstag feierte mein Sohn eine Surf-Party an einem verdammt kalten Strand in San Francisco. Ich bin mir sicher, dass er sich ein Bild von sich selbst ausgemalt hatte, so wie er da balancierte in seinem eng anliegenden Neoprenanzug auf dem Surfbrett, was am Strand lag. Wie die meisten Eltern verspürte ich den Drang sofort die Kamera zu zücken und wie ein Paparazzi meinen Sohn und seine Freunde abzulichten, kaum dass wir unsere Sachen abgelegt hatten. Und da mein Sohn ein Kind des Digitalzeitalters ist, folgte nahezu auf jedes Bild, dass ich machte, die Frage: „Kann ich das Bild sehen?“
Ich habe klare Bilder im Kopf. Davon, wie ich als Kind bestimmte Sachen erlebt habe: Wie der Weihnachtsbaum aufgebaut wurde, wie ich Geschenke bekam. Oder auch Erlebnisse aus der Grundschulzeit, das liegt mittlerweile knapp 19 Jahre zurück. Sicherlich sind die Sachen nicht immer so passiert, wie ich mich daran erinnere, aber das Entscheidende ist doch, dass ich in diese Erlebniswelt zu Hause bin, dass ich die Bilder in meine Gedanken zurückrufen kann, und zwar so wie ich sie erlebt habe und mich erinnern möchte. Ich bin nicht von einem Photo abhängig. Wenn ich mich daran erinnere, dann erinner ich mich nicht an das Photo, sondern an das Geschehene.
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Jean Paul
Es ist ein paar Tage her, da saß ich mit meinem Bruder und meiner Freundin im Wohnzimmer zusammen. Wir sprachen über dies und das, Dinge, Erlebnisse in der Vergangenheit. Mir fiel auf, dass es mir schwer fällt bestimmte Dinge zeitlich einzuordnen, zeitliche Abfolgen nachzuvollziehen. Ich weiß, was passiert ist, kann es jedoch nur mühsam zeitlich einsortieren. Ich kam nun ins Überlegen, ob das mit einer Reizüberflutung (primitiv ausgedrückt) und eben mit zu vielen Impressionen, die nicht meine Eigenen waren, zusammen hängt. Meine Mutter lebt seit über fünf Jahren in der Schweiz. Ich war mittlerweile sehr oft zu Besuch, teilweise zwei mal im Jahr. Dabei haben wir viele unterschiedliche Dinge – und verdammt viele Photos gemacht. Oft haben wir zu dritt mit jeweils einer Kamera fotografiert. Ich habe in meiner iPhoto Bibliothek 30 verschiedene Ereignisse dazu, aus 6 Jahren. Das sind ungefähr 3000 Bilder. Die anderen knapp 4000 Photos sind davon jetzt völlig ausgenommen. Die Frage ist natürlich: Was will ich mit so vielen Bildern? Was bringt es einem, jeden Winkel des Urlaubs oder des Erlebnisses digital festzuhalten? Ihr könnt euch denken, wie oft ich jedes einzelne Bild davon seit dem wieder angeschaut habe…
Die Frage des Sinns muss natürlich jeder für sich selbst beantworten. Ich persönlich werde mir in Zukunft versuchen mehr Zeit zum Genießen und weniger zum digitalen Festhalten nehmen.
Da ich sowieso vermehrt mit einer analogen Spiegelreflexkamera fotografiere, bietet sich dieser Ansatz auch an. Deutlich weniger Fotos, überlegtere Motive und den Rest der Zeit den Moment genießen.